
Mietpreis kalkulieren: Was Sie als Vermieter verlangen können
Zwei Betriebe stellen denselben Bohrhammer ein. Der eine verlangt 12 Euro pro Tag und hat das Gerät jedes Wochenende draußen, der andere ruft 35 Euro auf und wundert sich, warum die Position monatelang im Regal steht. Der Unterschied liegt selten am Gerät und fast immer am Preis. Wer zu hoch ansetzt, wird übersehen, wer zu niedrig ansetzt, verschenkt Marge und deckt am Ende nicht einmal die Abnutzung. Beide Fehler vermeiden Sie, wenn Sie den Mietpreis kalkulieren, statt ihn zu raten.
Ein guter Preis folgt einer nachvollziehbaren Rechnung aus drei Bausteinen: dem, was der Markt hergibt, dem Wertverlust Ihres Bestands und Ihren laufenden Kosten. Sie bekommen hier die Methodik dazu, mit Formeln, die Sie auf jede Position in Ihrem Sortiment anwenden können, ob Auto, Anhänger, Werkzeug oder Partyausstattung.
Was einen tragfähigen Mietpreis ausmacht
Ein Preis muss zwei Dinge gleichzeitig leisten. Er muss niedrig genug sein, dass Mieter buchen, und hoch genug, dass jede Position Ihres Bestands einen Deckungsbeitrag abwirft. Zwischen diesen beiden Grenzen liegt Ihr Spielraum, und den bestimmen Sie mit Daten statt mit Bauchgefühl.
Die Untergrenze ergibt sich aus Ihren Kosten: Wertverlust, Wartung, Reinigung, Verschleißteile. Die Obergrenze setzt der Markt, also das, was vergleichbare Angebote in Ihrer Region verlangen. Ein tragfähiger Mietpreis liegt fast immer in der oberen Hälfte dieses Korridors, weil der reine Kostendeckungspreis Ihre Arbeitszeit und das Ausfallrisiko nicht bezahlt. Wie viel am Ende pro Position hängen bleibt, haben wir in Geld verdienen mit Vermieten mit Beispielrechnungen durchgespielt.
Marktvergleich: Was andere Anbieter verlangen
Der schnellste Weg zu einem guten Preis führt über die Konkurrenz. Bevor Sie irgendetwas rechnen, schauen Sie, was für vergleichbare Geräte in Ihrem Markt tatsächlich aufgerufen wird. Das kostet zwanzig Minuten und ersetzt jede Schätzung.
So recherchieren Sie richtig
Suchen Sie auf Miet- und Kleinanzeigenportalen nach genau Ihrem Gerät, gefiltert auf Ihre Region. Notieren Sie fünf bis zehn Tagespreise und bilden Sie den Mittelwert. Achten Sie dabei auf Vergleichbarkeit: Ein zehn Jahre alter Anhänger mit 750 Kilogramm ist kein Maßstab für ein aktuelles Modell mit gebremster Achse. Die Preisspanne für Anhänger aus Peer-to-Peer-Vermietung liegt regional oft zwischen 10 und 25 Euro pro Tag, bei professionellen Verleihstationen deutlich höher. Genau dieser Abstand ist Ihr Spielraum.
Regionale Unterschiede einpreisen
Preise schwanken stark nach Ort. In Ballungsräumen mit vielen Nachfragern können Sie 15 bis 30 % über dem ländlichen Niveau liegen, weil die Alternative für den Mieter ein teurer Vollsortimenter ist. Auf dem Land zählt eher Verfügbarkeit als der letzte Euro. Die allgemeinen Verbraucherpreise sind zwischen 2021 und 2024 spürbar gestiegen (Statistisches Bundesamt, 2024), was auch das Preisniveau bei Miet- und Ersatzgeräten angehoben hat. Ein Preis von vor drei Jahren ist heute meist zu niedrig und drückt unnötig auf Ihre Marge.
Vom Anschaffungswert zum Tagespreis
Der Marktvergleich sagt Ihnen, was möglich ist. Ob sich eine Position rechnet, sagt Ihnen die Kostenrechnung. Der Kern ist einfach: Jedes Gerät verliert an Wert und nutzt sich ab, und dieser Verlust muss auf die vermieteten Tage umgelegt werden.
Wertverlust und Abnutzung umlegen
Als Faustregel setzen Sie den Wertverlust pro Vermietung an. Ein Neuwagen verliert im ersten Jahr rund 20 bis 25 % seines Werts, nach vier Jahren oft rund die Hälfte (ADAC, 2023), Gebrauchtgeräte deutlich weniger. Für die Kalkulation hilft die betriebliche Nutzungsdauer als Orientierung: Für einen Pkw rechnet der Fiskus mit sechs Jahren, für Werkzeuge und Kleinmaschinen je nach Art mit fünf bis acht Jahren (BMF, AfA-Tabelle). Daraus lässt sich ein Tagesanteil ableiten, der zugleich Ihrer Abschreibung entspricht.
Die Formel dazu ist unkompliziert:
- Jährlicher Wertverlust = Anschaffungswert geteilt durch Nutzungsdauer in Jahren
- Kostenanteil pro Vermiettag = jährlicher Wertverlust geteilt durch die Miettage im Jahr
- Tagespreis = Kostenanteil pro Tag plus Wartungsanteil plus Ihr Aufschlag
Nebenkosten nicht vergessen
Zum reinen Wertverlust kommen Posten, die viele Betriebe unterschätzen: Reinigung nach jeder Vermietung, Verschleißteile, anteilige Versicherung, Reparaturrücklage. Rechnen Sie bei mechanischen Geräten pauschal 15 bis 25 % Aufschlag für diese laufenden Kosten. Bei einem Auto oder Wohnmobil kommen zusätzlich anteilige Kfz-Versicherung, Steuer und ein Reifenbudget hinzu, die den Tagespreis deutlich anheben. Führen Sie diese Posten je Warengruppe einmal in einer kleinen Liste zusammen, dann sehen Sie sofort, ab welchem Preis eine Position tatsächlich schwarze Zahlen schreibt. Welche Schäden dabei überhaupt bei Ihnen hängen bleiben und was der Mieter trägt, klärt der Beitrag Versicherung und Haftung beim Vermieten.
Beispielrechnung Bohrhammer
Ein Bohrhammer kostet neu 400 Euro, die Nutzungsdauer setzen Sie mit acht Jahren an, realistisch vermieten Sie ihn 40 Tage im Jahr.
| Rechenschritt | Wert |
|---|---|
| Wertverlust pro Jahr (400 Euro / 8) | 50 Euro |
| Kostenanteil pro Vermiettag (50 Euro / 40) | 1,25 Euro |
| Wartung und Verschleiß (20 %) | 0,25 Euro |
| Kostendeckung pro Tag | 1,50 Euro |
| Marktpreis der Region | 12 Euro |
Der Markt trägt hier also das Achtfache der reinen Kosten. Das ist normal und kein Grund, günstiger zu werden. Der Aufschlag bezahlt Ihre Arbeitszeit, Ihr Ausfallrisiko und die Tatsache, dass der Mieter sich einen Neukauf spart. Setzen Sie den Tagespreis auf 10 bis 12 Euro, bleiben Sie wettbewerbsfähig und verdienen an jedem Miettag mit.
Tages-, Wochen- und Staffelpreise festlegen
Ein einziger Preis passt selten für alle Mietdauern. Wer sieben Tage bucht, erwartet einen Rabatt, und den sollten Sie einplanen, statt ihn im Einzelfall auszuhandeln. Klare Staffeln machen Ihr Angebot berechenbar und sparen Ihrem Team Diskussionen.
Eine lange Vermietung verursacht kaum mehr Aufwand als eine kurze. Übergabe, Reinigung und Rücknahme fallen nur einmal an, egal ob das Gerät einen Tag oder eine Woche unterwegs ist. Deshalb können Sie längere Zeiträume günstiger anbieten und trotzdem mehr verdienen, weil Ihr Aufwand pro Tag sinkt. Üblich ist ein Wochenpreis in Höhe von vier bis fünf Tagessätzen statt sieben. Ein weiterer Nebeneffekt: Wer eine Woche bucht, belegt die Position am Stück und erspart Ihnen mehrere kurze Übergaben. Das senkt Ihren Zeitaufwand und das Risiko von Leertagen zwischen zwei Vermietungen, was direkt Ihre Auslastung verbessert.
Wenn Sie den Tagespreis einmal sauber berechnet haben, leiten Sie die übrigen Stufen daraus ab. Für den Bohrhammer aus dem Beispiel könnte das so aussehen:
| Mietdauer | Preis | Preis pro Tag |
|---|---|---|
| 1 Tag | 12 Euro | 12,00 Euro |
| Wochenende (Fr bis Mo) | 28 Euro | 9,33 Euro |
| 1 Woche | 55 Euro | 7,86 Euro |
| 2 Wochen | 95 Euro | 6,79 Euro |
Das Wochenende ist bewusst attraktiv gepreist, weil dort die größte Nachfrage nach Heimwerker- und Partyausstattung liegt. Ein durchdachtes Inserat transportiert diese Staffeln gut sichtbar, wie im Leitfaden Ein gutes Miet-Inserat erstellen gezeigt.
Die Kaution richtig ansetzen
Die Kaution ist kein Teil Ihres Umsatzes, sondern Ihre Absicherung. Sie deckt den Fall ab, dass ein Gerät beschädigt oder gar nicht zurückgebracht wird. Für die Vermietung beweglicher Sachen gibt es keine gesetzliche Obergrenze, anders als bei Wohnraum. Die Kautionshöhe orientiert sich am Wiederbeschaffungswert.
Als praktische Spanne hat sich das 1- bis 3-fache des Neu- oder Zeitwerts eingebürgert, je nach Risiko und Wert des Geräts. Ein Werkzeug für 400 Euro rechtfertigt eine Kaution von 100 bis 200 Euro. Bei einem Anhänger oder hochwertiger Technik darf die Kaution den vollen Zeitwert erreichen. Setzen Sie sie zu niedrig an, tragen Sie im Schadensfall die Differenz selbst. Setzen Sie sie zu hoch an, schrecken Sie seriöse Mieter ab.
Wichtiger als die reine Höhe ist die saubere Abwicklung. Eine Kaution nützt nur, wenn der Zustand bei Übergabe dokumentiert ist, sonst lässt sich ein Schaden im Streitfall kaum belegen. Wie Sie das mit Fotos und Protokoll wasserdicht machen, steht in Kaution und Übergabeprotokoll. Geben Sie die Kaution zügig und vollständig zurück, wenn alles in Ordnung ist, denn davon leben gute Bewertungen und Folgebuchungen.
Steuern und Preisgestaltung zusammen denken
Ihr Preis bestimmt Ihren Umsatz, und der Umsatz hat steuerliche Folgen, die Sie kennen sollten, bevor Sie das Sortiment ausweiten. Einnahmen aus dem gelegentlichen Vermieten beweglicher Gegenstände zählen zu den sonstigen Einkünften. Hier gilt eine Freigrenze von 256 Euro im Kalenderjahr (§22 Nr. 3 EStG). Bleiben diese Einnahmen darunter, sind sie steuerfrei, ab dem ersten Euro darüber ist der gesamte Betrag steuerpflichtig. Für einen laufenden Betrieb ist diese Grenze in aller Regel längst überschritten.
Diese Grenze ist schneller erreicht, als viele denken. Bei einem Tagespreis von 12 Euro reichen 22 Vermiettage im Jahr. Für Sie als gewerblicher Anbieter heißt das schlicht, dass jede Position sauber verbucht und die Einnahmen angegeben werden. Wo die Trennlinie zwischen gelegentlichem Vermieten und einem anmeldepflichtigen Gewerbe verläuft, behandelt der Beitrag Passives Nebeneinkommen durch Vermieten. Umsatzsteuer wird relevant, sobald Sie als Unternehmer auftreten. Die Kleinunternehmergrenze liegt bei 25.000 Euro Umsatz im Vorjahr (§19 UStG), darunter führen Sie keine Umsatzsteuer ab. Bei größeren Summen oder Unsicherheit ist ein kurzes Gespräch mit einem Steuerberater günstiger als eine Nachzahlung.
FAQ: Häufig gestellte Fragen
Wie kann ich einen fairen Mietpreis festlegen, wenn es kaum Vergleichsangebote gibt?
Rechnen Sie in diesem Fall streng über die Kosten: Wertverlust pro Jahr geteilt durch die Miettage, plus 15 bis 25 % für Wartung und Reinigung. Auf diese Kostendeckung legen Sie einen Aufschlag, der Ihre Arbeitszeit und das Risiko bezahlt. Ziehen Sie zusätzlich den Preis eines Vollsortimenters heran und bleiben Sie klar darunter.
Sollte ich meinen Tagespreis lieber zu hoch oder zu niedrig ansetzen?
Starten Sie eher im mittleren Bereich und beobachten Sie die Anfragen. Kommen in den ersten zwei Wochen viele Nachfragen, können Sie den Preis anheben. Bleibt es still, senken Sie ihn in kleinen Schritten. Ein Preis ist keine einmalige Entscheidung, sondern lässt sich jederzeit an die Auslastung anpassen.
Wie hoch darf die Kaution bei gewerblicher Vermietung sein?
Für bewegliche Gegenstände gibt es keine gesetzliche Obergrenze. Üblich ist das 1- bis 3-fache des Zeitwerts, orientiert am Risiko. Wichtig ist, dass die Höhe im Verhältnis zum Gerät steht und im Inserat transparent genannt wird.
Muss ich meine Mieteinnahmen versteuern?
Einnahmen aus dem Vermieten beweglicher Sachen sind bis zu einer Freigrenze von 256 Euro pro Jahr steuerfrei (§22 Nr. 3 EStG). Darüber wird der gesamte Betrag steuerpflichtig und muss angegeben werden. Bei den Umsätzen eines Betriebs ist diese Grenze überschritten, hier führen Sie die Einnahmen regulär und sprechen im Zweifel mit einem Steuerberater.
Lohnen sich Rabatte für längere Mietdauern überhaupt?
Ja, weil Ihr Aufwand für Übergabe und Reinigung nur einmal anfällt, egal wie lange das Gerät vermietet ist. Ein Wochenpreis von vier bis fünf Tagessätzen bringt Ihnen mehr Gesamtumsatz bei weniger Aufwand pro Tag. Staffelpreise machen längere Buchungen für beide Seiten attraktiv und heben Ihre Auslastung.
Wo kann ich meinen Preis auf miet24.de eintragen und später ändern?
Sie hinterlegen Tages-, Wochen- oder Staffelpreise direkt beim Anlegen Ihres Inserats und können sie jederzeit im Inserat bearbeiten. So testen Sie verschiedene Preise, ohne ein neues Angebot erstellen zu müssen. Passen Sie den Preis saisonal an, etwa höhere Sätze in der Hauptnachfrage.
Mietpreis kalkulieren heißt, drei Zahlen zusammenzubringen: den Marktpreis, Ihren Wertverlust und einen fairen Aufschlag. Wer diese Rechnung einmal je Warengruppe aufstellt, kann die Preise danach in Ruhe an die Auslastung nachjustieren und muss sie nie wieder raten. Rechnen Sie Ihre Tagessätze heute durch und bringen Sie Ihren Bestand vor neue Mieter, wenn Sie Ihren Betrieb kostenlos auf miet24.de listen.
